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16. Jahrestagung der DEGUZ

9.-10. Mai 2025 in Leipzig

Die 16. Jahrestagung wird in Leipzig stattfinden: 9.-10. Mai 2025

Das Programm wird im Herbst 2024 an dieser Stelle veröffentlicht. Bitte merken Sie sich auch den 8. Mai 2025 als möglichen Termin für unsere Mitgliederversammlung vor.

Die Anmeldung zum Kongress ist ab sofort möglich:

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Bericht über den Umwelt-ZahnMedizin Kongress der DEGUZ in Kassel, 3. und 4. Mai 2024

Die 15. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Umwelt-ZahnMedizin (DEGUZ) fand am 3. und 4. Mai 2024 in Kassel statt und brachte führende Experten sowie zahlreiche Teilnehmer zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Forschungsergebnisse im Bereich der Umwelt-ZahnMedizin zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde von Dr. Jens Tartsch, Vorstand der DEGUZ, eröffnet, der die Bedeutung integrativer Ansätze in der modernen Zahnmedizin betonte und auf das facettenreiche Programm des Kongresses einstimmte.

Eröffnungstag: Freitag, 3. Mai 2024

Den Freitag eröffnete Dr. Johann Lechner mit einem detaillierten Einblick in die Knochenimmunologie. Er betonte, dass eine sorgfältige immunologische Bewertung der Ausgangssituation bei der Planung von Implantationen und Kiefersanierungen postoperative Komplikationen reduzieren kann. Durch die Integration von Entzündungsmarkern im Blut oder der TH1/TH2-Balance in die Planung können Behandler individuell angepasste Entscheidungen treffen, was letztlich zu besseren klinischen Ergebnissen führe.

Anschließend widmete sich Dr. Joé Diederich den Herausforderungen im klinischen Alltag beim Umgang mit devitalisierten Zähnen. Durch die Präsentation von Fallstudien konnte er den Teilnehmern demonstrieren, dass hier nicht nur zahnmedizinische sondern vor allem medizinische Probleme resultieren. Dr. Anne Schönbrunn brachte Licht in das Mastzellaktivierungssyndrom (MCAS) und dessen Relevanz in der Zahnmedizin. Sie erläuterte die Ursachen und Formen von MCAS und stellte die zeitgemäße Diagnose und Behandlung vor. Für Zahnmediziner ist ein MCAS-Patient immer ein Risikopatient, v. a. auch was die höhere Unverträglichkeitsrate von Materialien angeht.

Ein weiterer Höhepunkt des Tages war der Vortrag von Prof. Dr. Rainer H. Straub, der die komplexen Zusammenhänge zwischen Altern, Müdigkeit und Entzündungen beleuchtete. Mit aktuellen Forschungsergebnissen untermauerte er seine Argumente und diskutierte die Implikationen dieser Erkenntnisse für die zahnmedizinische Praxis. Dr. Kurt E. Müller vertiefte das Thema der Entzündungen und deren Auswirkungen auf den Energiehaushalt des Körpers. Er betonte, dass eine "reizfreie" Umwelt entscheidend für die allgemeine Gesundheit und den Heilungsprozess sei und zeigte Wege auf, wie diese erreicht werden kann. Dr. Marc Balmer gab ein umfassendes Update über die neuesten Entwicklungen im Bereich der Keramikimplantate. Er hob das Potential und vor allem die Vorteile von Keramik im Vergleich zum Titan hervor und belegte, dass die noch heute manchmal zu vernehmende Aussage "Keramikimplantate brechen häufig…." durch zahlreiche Studien klar widerlegt ist. Dazu passte dann der Beitrag von ZT Christof Borges, der die prothetische Versorgung von Keramikimplantaten erläuterte und dafür verschiedene Techniken und Materialien vorstellte. Durch die Darstellung seiner praktischen Erfahrungen aus der Zahntechnik konnte er wertvolle Tipps und Einblicke für die tägliche Praxis vermitteln.

Den Abschluss des ersten Kongresstages bildete eine Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Jens Tartsch und Dr. Matthias Priester. Die Diskussion, an der Zahntechniker ZTM Hendrik Schnoor, ZT Christof Borges und ZTM Sascha Kipping teilnahmen, konzentrierte sich auf die Integration der Umweltzahnmedizin in den Laboralltag. Hier müssen Labor und Praxis kommunizieren und am gleichen Strang ziehen, wenn man Umwelt-ZahnTechnik ernsthaft betreiben bzw. nutzen will. Der Tag endete mit einem geselligen Get-Together im Blauen Saal, bei dem die Küche des Hauses für das leibliche Wohl und DJ Marco Leistner bis in die späte Nacht für Stimmung sorgten.

Der zweite Kongresstag begann mit einer Präsentation von Oliver Prätorius und Thomas Herdick über den Zusammenhang zwischen occlusal bedingten Bandscheibenvorfällen und emotionalem Zubeißen. Sie erklärten, wie emotionale Spannungen zu Fehlbelastungen im Kiefer führen können, die wiederum Bandscheibenvorfälle verursachen. Durch Fallbeispiele verdeutlichten sie, wie diese kausalen Zusammenhänge erkannt und getestet werden können. ZTM Thomas Gerstenberger setzte auf den Vortrag auf und betonte die Wichtigkeit der korrekten Unterkieferposition für den Erfolg einer Funktionstherapie. Er erläuterte biomechanische Prinzipien und demonstrierte verschiedene Techniken zur Bestimmung und Einstellung der optimalen Kieferposition, was für die langfristige Stabilität und Funktionalität entscheidend ist. Auch das ist Umwelt-ZahnMedizin. Dr. Sandra von den Stemmen zeigte auf, wie Ernährungsberatung erfolgreich in den Praxisalltag integriert werden kann. Sie betonte die Bedeutung von "Ernährungs-Zahnmedizin" für die Zahngesundheit und gab praktische Tipps zur Umsetzung theoretischer Inhalte in der Patientenberatung. Ihr Vortrag verdeutlichte, dass gute Zahnmedizin heute nicht mehr ohne die ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit auskommt. Dr. Elisabeth Jacobi-Gresser betonte, dass auch in der Umwelt-ZahnMedizin Leitlinien trotz aller Brisanz eine Bedeutung haben. Sie zeigte am Beispiel der neuen "Implantat-Leitlinie" auf, wie so eine AWMF-Leitlinie entsteht. Gerade was das Titan angeht, ist vieles drin, was die DEGUZ seit Jahren predigt und durch Studien gezeigt hat. Sie ist ein Erfolg für die DEGUZ aber auch Ansporn, gerade die präventive Diagnostik noch klarer zu positionieren.

Ein weiteres Highlight war der Vortrag von Florian Schulze, der einen umfassenden Überblick über die Geschichte des Amalgams und den langen Weg bis zum Amalgamausstieg in Deutschland gab. Bei der Darstellung der gesundheitlichen Risiken lief er bei den Teilnehmern offene Türen ein, aber er stellte eben auch Alternativen vor, die sicherer und umweltfreundlicher sind. Dr. Katherina Siewert vom Bundesinstitut für Risikobewertung zeigte, dass sich auch die staatlichen Einrichtungen um Metallsensibilisierungen kümmern. Sie stellte eine innovative Methode zum Nachweis von Metallsensibilisierungen im Forschungssektor vor und erklärte, wie Oberflächenmarker auf aktivierten T-Zellen als Alternative zum Lymphozytentransformationstest (LTT) genutzt werden könnten. Der Weg in die Praxis erscheint aber noch weit entfernt.

Den Abschluss des Kongresses machte Dr. Volker von Baehr mit einem Vortrag über versteckte Allergene in der Zahnmedizin. Er hob hervor, dass nicht nur Metalle, sondern auch Kunststoffe und Bestandteile von Wurzelfüllmaterialen allergische Reaktionen auslösen können. Er präsentierte Typisches und Seltenes und zeigte Quellen solcher Allergene in der zahnärztlichen Praxis auf, an die man oft gar nicht denkt.

Fazit

Der Umwelt-ZahnMedizin Kongress der DEGUZ in Kassel bot mal wieder wertvolle Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse und praxisrelevante Informationen. Die Vorträge und Diskussionen förderten den Austausch und die Vernetzung unter den Fachleuten und trugen ganz sicher zur Weiterentwicklung der Umwelt-ZahnMedizin in der Praxis bei. Die Teilnehmer konnten nicht nur neue Forschungsergebnisse erfahren sondern vor allem auch praktische Tipps bekommen, die sie schon am Montag darauf in ihrem beruflichen Alltag umsetzen können. Der Kongress zeigte einmal mehr, dass die Integration des zunehmenden medizinischen Wissens in die Zahnmedizin nicht nur die Patientenversorgung verbessert sondern dass es kaum mehr akzeptabel ist, Zahnmedizin noch ohne den Blick auf den ganzen Patienten zu betreiben.

Wir freuen uns auf die 16. Jahrestagung, die am 9. und 10. Mai 2025 in Leipzig stattfinden wird.